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Fragen zu Zyklus, Schwangerschaft & mehr
Chlamydien-Infektion: Screening und Behandlung
Chlamydien verursachen oft keine Beschwerden, können aber die Fruchtbarkeit gefährden. Wie das Screening abläuft und wie eine Infektion behandelt wird.

Infektionen mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen in Europa. Besonders betroffen sind junge Frauen und Männer. Das Tückische daran: Ein großer Teil der Infektionen verläuft ohne oder mit nur geringen Beschwerden und bleibt deshalb unbemerkt.
Unbehandelt kann eine Chlamydien-Infektion bei Frauen auf Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke übergreifen und dort Entzündungen auslösen. Daraus können Verwachsungen entstehen, die das Risiko für ungewollte Kinderlosigkeit und Eileiterschwangerschaften erhöhen. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland ein Screening-Angebot für junge Frauen.
Übertragung und Beschwerden
Chlamydien werden beim ungeschützten Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr übertragen. Auch bei der Geburt kann eine Mutter die Infektion auf ihr Kind übertragen. Bei Neugeborenen kann dies zu Bindehautentzündungen oder Lungenentzündungen führen.
Wenn Beschwerden auftreten, sind sie oft unspezifisch:
- veränderter oder vermehrter Ausfluss
- Brennen beim Wasserlassen
- Zwischenblutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
- Unterbauchschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Bei Männern sind ebenfalls häufig keine Symptome vorhanden. Möglich sind Ausfluss aus der Harnröhre, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen im Hoden. Da diese Anzeichen auch andere Ursachen haben können, lässt sich eine Chlamydien-Infektion nur durch einen Labortest sicher feststellen.
Screening: wer Anspruch hat und wie getestet wird
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für sexuell aktive Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr einmal jährlich einen Test auf Chlamydien. Zudem ist ein Chlamydien-Test Bestandteil der Untersuchungen in der Schwangerschaft. Grundlage sind Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Unabhängig davon kann ein Test bei Beschwerden, nach einem Risikokontakt oder bei einem positiven Befund des Partners ärztlich veranlasst werden.
Für das Screening wird in der Regel eine Urinprobe untersucht, und zwar mit einem Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT), etwa einer PCR. Dieses Verfahren weist das Erbgut der Bakterien nach und gilt als Standardmethode. Alternativ kann ein Abstrich aus Scheide oder Gebärmutterhals verwendet werden. Für den Urintest ist es sinnvoll, den sogenannten Erststrahlurin abzugeben, also die erste Portion beim Wasserlassen.
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr | jährliches Screening als Kassenleistung |
| Schwangerschaft | Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge |
| Beschwerden oder Risikokontakt | Test nach ärztlicher Einschätzung |
| Positiver Befund beim Partner | Untersuchung und Behandlung empfohlen |
Mögliche Folgen einer unbehandelten Infektion
Bleibt eine Chlamydien-Infektion unentdeckt, kann sie bei Frauen vom Gebärmutterhals in die oberen Geschlechtsorgane aufsteigen. Fachleute sprechen dann von einer Entzündung des kleinen Beckens (Pelvic Inflammatory Disease). Sie kann akut mit Schmerzen und Fieber verlaufen, aber auch schleichend und fast unbemerkt. Mögliche Spätfolgen sind Verklebungen der Eileiter, chronische Unterbauchschmerzen, eine eingeschränkte Fruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko für Eileiterschwangerschaften.
Bei Männern kann sich die Infektion auf Nebenhoden und Prostata ausbreiten. Bei beiden Geschlechtern sind seltener Gelenkentzündungen als Folgereaktion beschrieben. Diese möglichen Komplikationen sind der Grund dafür, dass ein frühes Erkennen auch ohne Beschwerden sinnvoll ist. Je früher eine Infektion behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Folgeschäden.
Behandlung
Eine Chlamydien-Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Welcher Wirkstoff gewählt wird, hängt unter anderem vom Ort der Infektion, einer möglichen Schwangerschaft und Unverträglichkeiten ab und richtet sich nach den aktuellen Leitlinien. Die Behandlung erfolgt ausschließlich nach ärztlicher Verordnung. Wichtig ist, die verordnete Therapie vollständig einzunehmen, auch wenn keine Beschwerden bestehen.
Bei einer komplizierten Infektion, etwa einer Entzündung der inneren Geschlechtsorgane, kann eine längere oder andere Behandlung nötig sein. Starke Unterbauchschmerzen mit Fieber sind ein Grund, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Partnerbehandlung und Kontrolle
Damit es nicht zu einer erneuten Ansteckung kommt, sollten Sexualpartnerinnen und Sexualpartner der letzten Monate informiert, untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Bis zum Abschluss der Behandlung beider Partner wird empfohlen, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder konsequent Kondome zu verwenden.
Weil Neuinfektionen häufig vorkommen, empfehlen Leitlinien nach einigen Monaten einen erneuten Test. In der Schwangerschaft wird zudem ein Kontrolltest nach der Behandlung empfohlen, um den Behandlungserfolg zu bestätigen.
Vorbeugung
Kondome senken das Risiko einer Übertragung deutlich, bieten aber keinen vollständigen Schutz. Eine Impfung gegen Chlamydien gibt es nicht. Regelmäßige Tests bei wechselnden Partnerschaften und das offene Gespräch über sexuelle Gesundheit tragen dazu bei, Infektionen früh zu erkennen. Eine durchgemachte Infektion schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung.
Auf einen Blick
Chlamydien-Screening kurz erklärt
- AnspruchSexuell aktive Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr können sich einmal im Jahr auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse testen lassen.
- SchwangerschaftEin Chlamydien-Test gehört zur Schwangerenvorsorge.
- TestNachweis aus einer Urinprobe mit einem Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAT).
- Warum testenDie Infektion verläuft oft ohne Beschwerden, kann aber aufsteigen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Bei positivem BefundAntibiotische Behandlung; Partnerinnen und Partner sollten mitbehandelt werden.
Häufige Fragen
Kann eine Chlamydien-Infektion von selbst ausheilen?
Darauf sollte man sich nicht verlassen. Eine unbehandelte Infektion kann über lange Zeit bestehen bleiben und Folgeschäden verursachen. Eine ärztlich verordnete Behandlung ist daher angezeigt.
Sind Chlamydien-Selbsttests aus dem Handel zuverlässig?
Die Qualität frei verkäuflicher Tests ist unterschiedlich. Ein positives Ergebnis sollte in jedem Fall ärztlich bestätigt und behandelt werden, ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion bei Beschwerden nicht sicher aus.
Wird der Partner automatisch mitbehandelt?
Nein. Partnerinnen und Partner müssen sich selbst ärztlich untersuchen und behandeln lassen.
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Chlamydiosen
- Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG): S2k-Leitlinie Infektionen mit Chlamydia trachomatis (AWMF)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Regelungen zum Chlamydien-Screening und Mutterschafts-Richtlinien
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.