Mastitis: Entzündung der Brustdrüse
Mastitis, die Entzündung des Brustdrüsengewebes, ist eine häufige Erkrankung, die besonders während der Stillzeit auftritt. Sie geht mit Schmerzen, Schwellungen und teilweise systemischen Symptomen einher. Die Erkrankung erfordert eine zeitnahe Diagnose und angemessene Behandlung, um Komplikationen wie einen Brustabszess zu vermeiden. Dieser Artikel vermittelt einen umfassenden Überblick über die Pathophysiologie, Symptomatik und therapeutischen Möglichkeiten der Mastitis.
Wissenschaftlicher Hintergrund und Ätiologie
Mastitis wird in zwei Hauptformen unterteilt: die nicht-infektiöse (nicht-bakterielle) und die infektiöse Mastitis. Die nicht-infektiöse Form entsteht häufig durch Milchstau, eine unvollständige Entleerung der Brustdrüse oder einen Verschluss der Milchgänge. Dies führt zu einer lokalen Entzündungsreaktion ohne Beteiligung von Krankheitserregern.
Die infektiöse Mastitis wird überwiegend durch Bakterien verursacht, am häufigsten durch Staphylococcus aureus, gefolgt von Streptococcus agalactiae und koagulase-negativen Staphylokokken. Diese Erreger gelangen typischerweise über kleine Risse in der Brustwarze oder über die Milchgänge in das Brustgewebe. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Mastitis umfassen unzureichende Stilltechnik, seltenes Anlegen, zu lange Stillpausen und mangelnde Hygiene. Auch Stillprobleme wie ein falsches Anlegen oder eine ineffektive Milchentleerung erhöhen das Risiko erheblich.
Epidemiologische Daten zeigen, dass Mastitis in etwa 10 bis 33 Prozent der stillenden Frauen auftritt, wobei die höchste Inzidenz in den ersten zwei bis vier Wochen nach der Geburt zu beobachten ist. Dies hängt mit der Umstellung des Stillens und der Anpassung des Organismus zusammen.
Klinische Symptomatik und Diagnostik
Die Symptome einer Mastitis entwickeln sich typischerweise akut. Betroffene Frauen berichten über lokalisierte Brustschmerzen, Rötung, Schwellung und Verhärtung des betroffenen Brustgewebes. Häufig tritt eine asymmetrische Verteilung auf, wobei eine Brust stärker betroffen ist als die andere.
Systemische Symptome können ebenfalls vorhanden sein, insbesondere bei infektiöser Mastitis. Dazu gehören Fieber über 38,5 Grad Celsius, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Myalgien und allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Symptome ähneln denen einer Grippe und können die Diagnose erschweren.
Die Diagnose wird klinisch gestellt, basierend auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Eine Ultraschalluntersuchung kann in zweifelhaften Fällen oder bei Verdacht auf Komplikationen wie einen Abszess hilfreich sein. Eine Milchkultur wird in der Regel nur bei wiederholten Episoden, bei Therapieversagen oder bei schweren Infektionen durchgeführt.
Behandlung und Prävention
Die Behandlung der Mastitis erfolgt in gestaffelter Form. Bei nicht-infektiöser Mastitis durch Milchstau stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund: häufiges und effektives Anlegen des Kindes, Wärmeanwendung vor dem Stillen zur Verbesserung des Milchflusses, Kälteanwendung nach dem Stillen zur Schmerzlinderung und manuelle Massage des verhärteten Bereichs. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ruhe sind ebenfalls wichtig.
Bei infektiöser Mastitis wird in der Regel eine antibiotische Therapie eingeleitet. Mittel der ersten Wahl sind Beta-Laktam-Antibiotika wie Amoxicillin-Clavulansäure oder Cephalosporine, die auch während des Stillens sicher angewendet werden können. Die Therapiedauer beträgt üblicherweise 10 bis 14 Tage. Das Weiterstillen wird empfohlen und ist unbedenklich, da die Antibiotika in die Muttermilch übergehen und das Kind damit auch behandelt wird.
Zur Prävention einer Mastitis ist eine korrekte Stilltechnik essentiell. Dies umfasst ein korrektes Anlegen des Kindes, häufiges Wechseln der Stillpositionen und das Vermeiden von zu langen Stillpausen. Auch das Tragen eines gut sitzenden, nicht zu engen Still-BHs und die Vermeidung von Druck auf die Brust können hilfreich sein.
Frauen, die abstillen möchten, sollten dies schrittweise tun, um einen Milchstau zu vermeiden. Im Zusammenhang mit dem Wochenbett ist es wichtig, auf mögliche Wöchnerinnen-Infektionen zu achten, da diese das Infektionsrisiko erhöhen können.
Eine Mastitis ist eine behandelbare Erkrankung, die bei frühzeitiger Diagnose und angemessener Therapie in der Regel folgenlos ausheilt. Eine offene Kommunikation mit der behandelnden Frauenärztin oder dem Frauenarzt sowie bei Bedarf eine Stillberatung sind wichtig, um die Stillfähigkeit zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden.